Der Ashvem-Block, Zeichnungen 2005 – 2006

Im Werk der Zürcher Künstlerin Cristina Fessler nimmt die Zeichnung seit je einen wichtigen Platz ein; jeweils in zyklischen Serien setzt sie sich mit dem Medium auseinander. Nach dem Werkblock «Nagaland», der 1993 im Zürcher Helmhaus zu sehen war, zeigt sie nun den sogenannten «Ashvem-Block»-Arbeiten, die während eines Aufenthalts in einem südindischen Dorf entstanden sind. Das Charakteristische dieser zart und durchscheinend wirkenden Blätter ist, dass sie mittels Eisenstaub, teilweise ergänzt durch Gouache und Graphit, gemalt sind. Assoziationen an die Natur, an Pflanzen, ihre Blätter, Samen und Wurzeln, aber auch an unbestimmbare Tiere, an menschliche Köpfe und Hände sind auf den Blättern des «Ashvem Block» auszumachen. Zwei gestalterische Prinzipien fallen auf, zum einen die kompakte Form, genannt «sleep», welche die Geborgenheit thematisiert, zum andern das explosionsartige Auseinanderbrechen, die sich entäussernde Form, zusammengefasst im Begriff «Monsoon». Auch das labyrinthische Liniengeflecht ist ein Thema; es lässt sich als Wegspur ohne Anfang und Ende deuten. Cristina Fessler erreicht in ihren reduziert gestalteten und dennoch das ganze Blatt füllenden Zeichnungen eine überraschende Leichtigkeit. Die fragilen Sujets heben sich von ihren früheren, mehr der Schwere der Materie gewidmeten Arbeiten ab. Auszug NZZ 2006, Suzanne Kappeler