Ältere Werke 1971 – 1977

„Ich und Marilyn Monroe“ Die Künstlerin konfrontiert ihr Selbstbildnis mit der gezeichneten Wiedergabe des berühmten Fotos von Tom Kelley, der die Filmschauspielerin 1949 für einen Aktkalender in anlockend-aufreizender Pose festgehalten hat. Zur nun liegenden Hollywood-Schönheit hat sie ihre eigene Gestalt parallel platzier und ihren Zügen Auflehnung und Wachheit verliehen. Sie will sich anders sehen denn als blosses, vermarktbares Lustobjekt. Sie wehrt sich als Frau gegenüber einer solchen Ausbeutung durch die Männerwelt, an der Marilyn Monroe 1962 schliesslich zerbrochen ist. Auszug Katalog 1977, Fritz Billeter

“Kinder“ In Bildstreifen repetiert Cristina Fessler über einem gezeichneten Metermass Motive spielender Kinder. Dabei geht es aber nicht um die Darstellung von veränderten Situationen, sondern um die formale Veränderung einer einzigen Situation. Die in der ersten Phase wirklichkeitsgetreu gezeichnete wird In ihrer Substanz stufenweise reduziert. Eine überzeugende Umsetzung der Frage: Wieviel geht einem Kind verloren, wenn die Umgebung die räumlichen Voraussetzungen zu seiner Entfaltung nicht garantiert? Tages Anzeiger, 1976

“Experiment Taube“ Die Künstlerin hatte Gelegenheit, an einem wissenschaftlichen Institut, Einblicke in Experimente mit Tauben zu bekommen. Die vom wissenschaftlichen Experiment so entstellten Tauben treten manchmal zusammen mit kaum bekleideten Knaben oder Mädchen auf. In ihren Augen steht Angst oder eine schwer zu umschreibende Qual. Tauben und Kinder sind offenbar deformierenden Zwängen unserer Gesellschaft ausgesetzt die, obwohl von je verschiedenen Instanzen ausgeübt, sich doch darin gleichen, dass sie die Wehrlosen in der freien Lebensentfaltung behindern statt fördern. Auszug Katalog 1977, Fritz Billeter