«Es gehört zum Sinn jeder grossen Reise, an den Punkt jener Erschütterung zu kommen, wo hinter der Angst neue Räume und neue Wirklichkeiten aufgehen. Doch Reisen ist bloss die Metapher für das Gelingen des Versuchs, der Bewegung treu zu bleiben, die ‹Leben› heisst. Und Leben ist immer: beizeiten sterben, um wieder zur Welt zu kommen», schreibt der Philosoph Georg Kohler in seinem Katalogtext. Die Nag-Zeichnungen haben ihren Ort in einem gefährdeten Gebiet zwischen Nach-Schein und potenziellem Werden. Cristina Fessler zeichnet mit Wasser auf Papier und bestreut darauf ihre Wasserzeichnungen mit Graphit und Eisenstaub, der zu rosten beginnt. Erst die Pigmente machen das unsichtbar Verborgene sichtbar, das dabei jedoch seine originale Form verliert. Aus Erinnerungen und Fantasien erwachsen die schemenhaften Gebilde zwischen Traum und Wirklichkeit. Auszug Zürichsee-Zeitung 1993, Sabine Weder-Arlitt